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Uncoole Verletzungen

Die Hochzeit meines Freundes war schön gewesen, alles bestens, nette Gäste und so weiter, kennt man ja. Zu vorgerückter Stunde fand sich der betrunkene Rest der Hochzeitsgesellschaft im Untergeschoß seines Hauses ein, wo sich ein riesiges Schwimmbecken befand. Wie die Kinder tobten und tanzten wir halbbekleidet zwischen Buffet und Wasser und retteten uns in den Morgen. Irgendwann war ich wieder ins Wasser geworfen worden, wir alle waren ja sowieso vollkommen durchnässt und erschöpft, aber fanden kein Ende. Ich wollte mich gerade auf den Rand des Beckens aufstützen, um es wieder zu verlassen, als ein schlimmer Schmerz meine Schulter durchzuckte. Gar nicht gut. Bei diesem Alkoholpegel hätte ich eigentlich überhaupt nichts mehr spüren dürfen, es denn, es wäre: eine tatsächlich schlimme Verletzung.
Als ich am nächsten Morgen den Arm kaum mehr bewegen konnte, schien sich dieser Verdacht zu bestätigen. Gegen Mittag war nichts mehr zu machen, der Schmerz ließ sich nicht mehr ertragen. Also musste ich zum Arzt. Röntgen, Tasten, Diagnose:
»Ja, das sieht nicht gut aus.»
»Aha?«
»Das ist ein Muskelabriss.«
»Oh.« Nein!
»Das muß operiert werden.«
»Oh!« NEIN!
Da ließ sich nichts ändern. Meine Hoffnung auf Beispiele, dass so etwas von alleine wieder zusammenwächst, machte sein abfälliges Grunzen zunichte. Nun gut: Dann also Krankenhaus. Aber nicht freiwillig, dachte ich mir, so einfach will ich es denen nicht machen, wenn ich in der Wildnis leben würde, müsste ich ja auch ohne Hilfe auskommen. Da muss erst einmal ein Gegengutachten her, so gewinnt man wenigstens Zeit. Also ging ich am nächsten Tag zu einem zweiten Arzt, einem wirklichen Fachmann, er war mir empfohlen worden.
»Das Röntgenbild ist nichts.«
»Aha?«
»Das kann man ja gar nichts erkennen, das müssen wir neu machen.«
»Oh.« Nein!
Ich würde also erneut durch diese hässliche Prozedur müssen und erneut würde mein Arm auf unmögliche Weise überdehnt werden; auf dass der Herr Doktor die notwendigen Bilder bekäme. So stellte sich heraus, dass es sich nicht um einen Muskelabriss handelte. Das war zwar auf der einen Seite gut, aber auf der anderen Seite…
»Was ist es denn?«
»Nicht so schlimm: eine Verkalkung des Gelenks.«
Verkalkung? Ich habe eine Verkalkung!? Argl… Eigentlich hätte ich mich freuen können, stattdessen brach für mich eine Welt zusammen, denn es hatte sich wieder bestätigt: Ich bin der Mann mit den uncoolen Verletzungen und statt eines Krankenhausaufenthaltes (Muskelabriss, ja!) würde es mit ein paar Spritzen in den Hintern getan sein. Wem sollte man so etwas schon erzählen?
Uncoole Verletzungen würzen mein Leben, seit ich denken kann. Wenn ich mir etwas breche, dann ist es ein Zeh. Wenigstens war der dann blau angelaufen und ich konnte meiner Mutter die Schwere der Verletzung beweisen; nach der Bergwanderung. Hexenschüsse, eingebildete Herzinfarkte, Hämorrhoidalleiden, Kreuzbandriss (Ja, der widerfuhr mir zwar beim Fußball, aber nein: Da ist mir keiner mit einer Blutgrätsche in die Parade gefahren. Es geschah beim leichten Dauerlauf, machte Pling und ich fiel einfach um).
Nun ist es ja nicht so, dass ich mir wirklich etwas Schwerwiegendes wünschen würde, keinesfalls, aber es deprimiert doch ein wenig, dass ich mir beinahe sicher sein kann, weder an einem Herzinfarkt zu sterben, noch bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen. Mein Tod wird anders aussehen: Ich werde vermutlich beim Scheißen ein wenig zu stark drücken und einen Hirnschlag erleiden.
Ach ja, der dicke Zeh droben, fast hätte ich ihn vergessen. Das war ein beidseitig eingewachsener Fußnagel, der sich meinem laienhaften Versuch widersetzte, das drohende Debakel durch Selbstmedikation der Entzündung (Seifenbäder, Zahnpasta etc.) und dilettantisch chirurgische Eingriffe in Rambo-Manier (die Scheiße näh’ ich selbst) aufzuhalten. Der chirurgisch gebildete Fachmann war keiner, der Wildwuchs lieferte erst Monate später den Beweis: Seit dieser Zeit gibt es jene Pinnökel in den Ecken meines dicken Zehs, Nagelreste, die fröhlich weiterwachsen, als wäre das alles niemals geschehen…
 | etcpp, 2003.11.22, 22:54
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»Popliteraten zur vollendeten Gegenstandslosigkeit degradiert«
 | etcpp, 2003.11.22, 17:14
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»man erwischt sich ständig dabei, sich in die richtige gruppe zu wünschen.«
 | etcpp, 2003.11.22, 16:18
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Ego-Trip

Neufahrzeug, zweifarbige Effektlackierung, Fronteinstieg, drei Räder. Kein ABS, kein Kat, dafür mit wartungsfreiem Rückzug-Feder-Antrieb. Zweieuroachtundneunzig.
Och nööö, Pimpf: Finger weg! Schau mal hier, ein super Muldenkipper. Nein! Pimpf, Pihiiimpf! Guck mal das da drüben…
 | etcpp, 2003.11.22, 16:09
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Wenn Lehrer wandern
Am frühen Morgen ist die Welt noch in Ordnung. Wenigstens aber das Weltbild. Ihr Ein-Satz bitte:
05:32, bei gHack
»Gut, was Du, ...
...resp. wie Du beobachtet hast, schön, was Dir geschehen ist.«
05:54, bei Don
»Ja, und?,...
...was jetzt? Stolz auf's So-Sein, Leiden am So-Sein oder demnächst Änderung?«
Was nun noch fehlte, wäre ein Satz zu diesem Text von Kutter, denn der ist auch ganz zauberhaft, nur kam er wohl zu spät: Eintrag ins Klassenbuch?
 | etcpp, 2003.11.22, 10:51
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Der Türknopp
In den letzten Tagen häufen sich in meinem Kopf die Buchstaben, ganz ungewohnt. Kein Wunder, dass es da mal durcheinander geht: Buchstabensalat, wo man es nicht vermutet. Gerade eben erst, den Text las ich zum zweiten Mal, zum zweiten Mal auch gerne, weil es mir gefällt, dass momentan dort alles länger ist und trotzdem Tiefe bleibt: kein Nullsummenspiel, gerade eben also wieder und zum zweiten Mal verlesen:
»Türknopp« stand da. Das ist ein Türknopf, wie man ihn hier nennt. War aber keiner. Stand auch nicht da. Aber diese Geschichte liest man am besten selbst.
 | etcpp, 2003.11.22, 00:30
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