Web X

Ein social Gedöns nach dem anderen raucht ab und geht in einem der Großen des Netzes auf; keinem einigermaßen erfolgreichen Neustart wird das anders gehen. Ist ja vielleicht auch gut so, da verdienen ja immer wieder ein paar Jungs und Mädels genug, um nie mehr arbeiten zu müssen. Schön auch, dass das Geld von jenen kommt, die genug haben - die kaufberauschten Internet-Bullerbüs sammeln an der Börse ja das Geld der Gierigen ein, da darf ruhig ein bisschen umverteilt werden.

Traurig stimmt allein, dass eine community nach der anderen auf Sicht verlieren wird. Zumindest glaube ich das, denn an mir selbst verspüre ich wachsende Unlust, diesen immer neuen Dingern beizutreten, bin ja schon froh, nur drei Testbilder auf Flickr zu haben. Ich vermute, dass ich mit dieser Unlust nicht alleine bin, dass auch aktivere Menschen sich mit den zunehmenden Unzumutbarkeiten schwer tun. Wenn es nur Alternativen gäbe. Jeder guten Idee wachsen zwar Kinder, aber auch die werden groß, geschluckt, verdorben werden. Was also könnte man tun? Erst mal nicht viel.

Dennoch: die Frage will nicht weichen, warum ich bei xing sein sollte, wo ich doch ein Software-Adressbuch habe, das all meine Daten vorhält, und jeder meiner Kontakte ebenfalls ein solches Adreßbuch? Es ja »nur« der soziale Aspekt, das Netz der Verbindungen, über den das Portal seinen Wert definiert. Den Vorteil, dass meine Bilder, Texte, E-Mails, Links irgendwo im Netz liegen, den habe ich nie richtig erkennen können, aber das ist der einzige Ansatzpunkt, solche Gemeinschaften geldwert zu machen. Diese zentrale Verwaltung ist gleichzeitig auch eine Zentrierung von Macht und - vollkommen unnötig.

Was fehlt, ist ein Stück Software, eine Technologie, neue Schnittstellen bestehender Programme: den sozialen Aspekt ergänzend.

Es gibt sowas. Die Liederklauerei zum Beispiel, die funktioniert, ohne dass es ein Portal gibt, ganz ohne eine community, die gefressen werden könnte. Auch iTunes fällt mir ein, da kann man seine Bibliothek freigeben und Nutzer im gleichen Netz können die eigene Musik hören, ungeklaut und: einfach, weil ich es erlaube. Die Musik wird dann gestreamt.

Genau das müsste in großem Stile und mit einer neuen Basistechnologie geschehen: Daten und Aktionen an eigenem Material bleiben lokal - Weblogs, Bilder, Musik, Twitterzeugs, was auch immer da wächst - und dem kommunikativen Aspekt wird über eine zu schaffende Technik Rechnung getragen - Kommentare, Aktualisierungen, Verbindungen, Kontakte, etc.pp.

Das würde der Börse nicht gefallen.
Aber mir.

   

   
thema [Das Internet und ich]
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Hilft nicht. Wird entweder illegalisiert oder in etwas verwandelt, was schluckbar ist (s. die "Distributionen" bei OSS etc.)

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Ginge kaum bis gar nicht, denn da wäre nichts, was geschluckt werden könnte - wenn das prinzipiell und im weitesten Sinne peer-to-peer liefe.

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Aber bedenk doch mal die informationelle Infrastruktur (die Netze). Glaubst du im Ernst, es würde lange geduldet, dass die einem radikalen peer-to-peer-Ansatz zur Verfügung steht? Innerhalb des herrschenden Paradigmas auf den "nächsten Trick" zu hoffen - verständlich, aber meiner Überzeugung nach genauso vergeblich wie die Hoffnung, man könne innerhalb des Kapitalismus Banken und Zins zum Verschwinden bringen.

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Mag schon sein, dass es ein Gefuchtel an den Hebeln gäbe, aber wenn der Hunger nach Macht und jener nach Geld im Clinch lägen, dann setzte ich auf das Geld. Da richtet sich der Kapitalismus vielleicht gegen sich selbst, denn natürlich liegt unter all dem die Sehnsucht nach Macht als die stärkere Kraft, aber die symbolische Aufladung des Geldes wirkt selbst auf jene, die sich der Illusion hingeben, die Dinge im Griff zu haben.

Darüber hinaus glaube ich nicht, dass sich öffentliche Straßen auf Sicht vor dem Betreten schützen ließen. Aber selbst wenn: Ich bilde mir ein, da würden Feldwege nachwachsen.

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Also ich habe mich schon lange gewundert, warum sowas wie z.B. flickr nur über zentrale Server läuft. Schon weil mit RSS verschiedene dezentrale Server hervorragend verknüpft werden könnten (z.B. um Serverübergreifend getaggte Bilder zusammen zu sichten o.ä.) Es bräuchte natürlich bestimmter Abstimmungen - und freie Skripte, die das zusammenfassen.

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@MH: Frage mich, was mich an Ihrer Argumentation irritiert. *nag* Die Gewissheit der Prognose vielleicht? Ich freue mich dagegen, dass in anderen Richtungen gedacht und gehandelt wird. Keine Macht ist absolut, Herr Realist!

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Stand: 2008.08.20, 16:49
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