Ich hatte nie das Geld, deshalb machte ich den Dreier erst spät und nicht in Kombination mit dem Einser, also immer nur vier Räder, statt zwei. Erst Jahre später habe ich die Motorradprüfung nachgeholt, das war spürbar teurer geworden und ich hatte immer noch nicht das Geld, dafür aber eine schlimme Erfahrung gemacht, die es mir notwendig erscheinen ließ, diese Prüfung endlich zu machen, irgendwie, das schien mir die einzige Rettung, zwei Räder und kein Ziel. Also machte ich den Schein. Für ein Motorrad hat es dann nicht mehr gereicht.

Ich hatte es mittlerweile fast aufgegeben, jemals ein eigenes Motorrad zu besitzen, bis zum letzten Sommer. Ich setzte mir einen finanziellen Rahmen, lächerlich niedrig, und begab mich auf die Suche, wälzte Zeitungen, hörte mich um, recherchierte in Onlinebörsen, schließlich fand ich eine Handvoll Maschinen, die in Frage kamen. Das bedeutete nichts, denn es war nahe liegend, dass ein Motorrad zu einem solchen Preis, wie ich ihn mir ja als Limit gesetzt hatte, nicht in Ordnung sein konnte, musste es aber, denn ich bin wahrhaftig kein Schrauber, es macht mir keine Freude und schon das Putzen von Metall oder das Wechseln von Zündkerzen ist mir zuwider, Werkstattarbeiten in Auftrag zu geben, hätte aber wieder Geld erfordert, das nicht zur Verfügung stand, also ein nahezu aussichtsloses Unterfangen, eine Maschine zu diesem Preis, fahrbereit und gesund.

Eine einzige Maschine sah ich mir an, der Preis war in Ordnung, die Daten klangen gut, der Mann schien seriös. Ich bat meinen Bruder, mich zu begleiten, er ist anders, ein Narr und ein Fachmann, er kennt sich aus. Zwar war mir das Modell unbekannt, zudem war es uralt, aber als ich das Motorrad dann sah, war ich begeistert, es war wunderschön. Ich bat meinen Bruder, eine Testfahrt zu machen, ich selbst hatte ja lange nicht mehr auf einem Motorrad gesessen, es war mir peinlich, kaum die richtige Bedienung zu erinnern. Also fuhr er davon, ich schaute ihm nach, ein wenig stolz, später hörte man ihn schon von weitem wiederkehren. »Nun aber Du«, sagte er. Also setzte ich den wackeligen Mofahelm auf, den ich von meinem Vater geliehen hatte, setzte mich auf das Motorrad und fuhr los, etwas unsicher zuerst, nachher dann ein schönes Gefühl, wenn auch irritierend, denn die Bremsen schienen nicht richtig zu funktionieren, egal, dann eben etwas fester drücken, irgendwie schief auch das alles, ich musste den Lenker immer ein wenig einschlagen, damit es geradeaus ging, egal, daran würde ich mich gewöhnen, eine alte Maschine, was will man erwarten, sie ist halt ein bisschen lahm. Als ich wieder zurückkam auf dieser Straße, eine Kurve bergauf, war ich fest entschlossen, diese Maschine zu kaufen.

»Und?«, fragte mein Bruder. »Schön«, erwiderte ich. »Mag sein«, meinte er, »aber kaputt.« Dann zählte er mir auf, was alles an der Maschine defekt war oder bald werden würde, eine unendliche Liste mit erschreckenden Details. Ich setzte mich auf die Bordsteinkante um zu sterben. So nah war ich dem Besitz eines eigenen Motorrads nie gewesen, es schien mir klar, dass dies meine letzte Chance sein würde, jetzt oder niemals mehr, alles lässt sich doch reparieren, irgendwie, man braucht das richtige Werkstattbuch und ein wenig Hilfe, ich würde es vielleicht sogar selbst hinbekommen, »Knapp fünfzehnhundert Euro, alles in allem, schätze ich«, mein Bruder lächelte immer noch. Dann nahm er mich beiseite und erzählte mir von neuen Motorrädern und preiswerten Leasingangeboten und ABS und wie verrückt ich sei, überhaupt daran zu denken, diesen Bündel Schrott zu kaufen. Ich schaute hinüber zu der Maschine, sie stand dort aufgebockt, mir war zum Heulen.

Dann hörten wir erneut ein Motorrad den Berg hinaufkommen, noch entfernt, noch hinter der Kurve, wir schauten die Straße hinunter. Ein junger Mann saß darauf, er fuhr nicht schnell, und als er uns sah, bremste er und hielt an. Er nahm den Helm ab und schaute sich die Maschine an, deren Kauf mir unmöglich geworden war. Seine Maschine stand nun ein paar Meter weiter und ich konnte nicht glauben, was ich dort sah, es war die gleiche Maschine, dort standen Zwillinge, zwei identische Motorräder: Ebenfalls grün, ebenfalls Baujahr 1976, ebenfalls eine Honda CB 200, aber diese zweite war fahrbereit und technisch komplett in Ordnung. Und für 350 Euro wurde sie mein erstes Motorrad, das da oben, das ist sie.

   

   
thema [Anderes]
comment    



 
wie schön sie das erzählen, so werden sie die maschine würdigen, ich habe mit einer ähnlichen angefangen und seit zwölf jahren "kinder"pause, weil ich einfach keine zeit habe, dafür...

... link  

 
»Würdigen«, das ist ein seltsames Wort. Es ist eine schöne Maschine und ich fahre sie gerne, vielleicht werde ich sie sogar einmal putzen, irgendwann. Aber es ist eben meine Karre, ich muss ihr jedesmal einen Tritt versetzen, wenn ich fahren will, und sie säuft. Außerdem werde ich einen Tennisarm bekommen, weil die Vorderradbremse mechanisch ist und sehr schwergängig, sie hat ein großes Maul, man hört sie schon von weitem, und wenn das Wetter ihr nicht passt, dann wird sie auch mal bockig. Trotzdem mag ich sie.

Vielleicht ist es ja das, was Sie meinen.

Kinder, ja. Der Pimpf war heute sauer, weil er mit Oma fahren musste, statt mit mir, er verlangt jetzt neuerdings mit Vehemenz: »Kindersitz! Mitfaahn!«

Im Trockendock und wenn er glaubt, ich seh’ es nicht, dann klettert er ja hoch und übt schon fleißig. Habe mir einmal schon einen Wolf getreten, die Karre sprang nicht an, es war schier zum Verzweifeln. Viel später erst merkte ich, dass er den Notschalter auf Off gedreht hatte. Aber da war ich längst außer Atem.

... link  


... comment
 
immerhin
ein huebscher reiskocher.
mopedfahren habe ich noch nie verstanden, autofahren finde ich schon bedrohlich genug und habe deshalb weder noch.

... link  

 
Autofahren ist auch bedrohlich. Besonders für Motorradfahrer.

... link  

 
ja,
aber autobahnen sind, wie der name schon sagt, fuer autos gemacht.

... link  


... comment
 
Das Motorrad sieht gut aus.
Ich habe den Eindruck, Motorradfahren ist was für Mädchen. Zumindest kenne ich keinen Mann, der sowas hat. Nur Frauen, die sowas haben oder haben wollen.

Als Kind und Jugendlicher fand ich das sehr geil, auch so mit geliehenen Mopeds und so. Heute weisichnich, is voll verflogen. Motorrad ist glaubich ein Vergnügungsmittel.


Ha ha, so hier könnte ich mir noch vorstellen für mich selbst.

... link  

 
Vermutlich stehen die Karren der Männer, die Sie als Nichtfahrer kennen, in den Garagen und warten. Auf die Midlife Crisis. Oder auf eine Frau.

Die Monkey finde ich super, für die Stadt vollkommen ausreichend, macht bestimmt richtig Spaß. Ist aber leider schweineteuer.

... link  

 
ha ha ja. und BMW wird dann gern gefahren.

in der stadt hat ein motorrad vorteile, weil es schnell und wendig ist und man sich überall zwischendurch vordrängeln kann.

oder mit ohne versicherung, dann bekommt man auch die kosten in den grif, hihi.
clignot.antville.org

... link  

 
Motorrad
ist das geil lool

... link  


... comment


 
Online seit: 11.11.2003
Stand: 2008.09.07, 10:58
Youre not logged in ... Login


September 2008
MoDiMiDoFrSaSo
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
2930
August

Lego-Giraffen-Transformer.

»Guten Tag, ich bin vom...

Nichts zu bedauern, ich ahnte...

Ich hab's fast schon bedauert,...

lovely nature Baum Fb. 108! (Dass...

Im Grunde macht das Programm...

Er ist wach und emphatisch,...

Manchmal denkt man schon, du...

»Und … schwarzen Kaffee mag...

Markus Schicker, der Autor des...

First contact with RjDj. [via fscklog]

RSS feed


Made with Antville
powered by
Helma Object Publisher