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Tellerwäscher
Als wir noch Kinder waren, da musste ich spülen. Mein kleiner Bruder trocknete ab. Oder es war umgekehrt, mein kleiner Bruder musste spülen und ich trocknete ab. Ich weiß nicht mehr, ob das ausgewürfelt wurde, vielleicht bestimmten auch die Eltern die Arbeitsverteilung, vielleicht wechselten wir uns einfach ab.
Wenn ich spülte, warf mein Bruder regelmäßig Geschirr zurück ins Spülwasser. Er hasste die wachsenden Stapel vor seinen Augen, das schien ihm der tellergewordene Vorsprung des Erstgeborenen, ein Überholen unmöglich, aber seinen Rückstand konnte er so auf ein Maß begrenzen, das ihm erträglich schien, ist doch noch schmutzig und plumps.
Wenn ich hingegen abtrocknete, dann goss er immer wieder eine Handvoll Wasser über den Stapel Geschirr, so konnte ich ihm nicht enteilen. Das Abtrocknen dauerte länger, aber sonst gibt das Ränder, er grinste.
Mein Bruder hat mittlerweile Karriere gemacht, hat Familie, ist Hausbesitzer. Sein Weg dorthin mag vielleicht zwangsläufig gewesen sein. Ganz sicher aber war er nicht leicht.
 | etcpp, 2004.03.21, 02:11
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