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Hackentrick
»Ich bin hier der Star,« so hätte ich ihn begrüßt, sagt er, mit einem Pflaster auf der Stirn, sagt er. Das war bei seinem ersten Fußball-Training mit unserer D-Jugend und ich muss wohl beeindruckt gewesen sein von seinen Fähigkeiten, ich muss wohl Angst gehabt haben, zu verschwinden, wenn da ein Besserer käme. C. hat das niemals vergessen. Ich kann mich nicht erinnern. Aber ich glaube ihm, denn es geschah zu einer Zeit, wo es gut möglich ist, dass ich den Größenwahn noch vollends ausgelebt habe, erst später, in den Jahren danach, übte ich mich dann in Verdrängung. Heute bin ich noch immer ein Arschloch, noch immer arrogant, aber eben heimlich.
C. ist die Flucht gelungen aus einem Lebenslauf, den wir ihm immer wieder unter die Nase gerieben hatten, Bankkaufmann etc., und er kämpfte sich durch die Abendschule, das Studium, später zwei Auslandssemester und in den Ferien Club Med, Frankreich, dann der Umzug nach Frankfurt, er arbeitet heute in einer Unternehmensberatung. Bis ins Frühjahr hinein nahm er ein halbes Jahr Auszeit, Südamerika, sechs Länder in sechs Monaten, zum Abschluss dann Cuba und eine Geliebte in Italien, wir telefonierten lange, als er endlich wiedergekommen war, er schwärmte von der Welt und einem anderen Leben und er fluchte über Amerika und ich hörte sein Paffen, drei Zigarren am Tag, in Cuba kostet das nichts, ein paar davon hatte er mitgebracht, und wenn sich das hier nicht endlich grundlegend ändert, dann mache ich was anders.
Am nächsten Sonntag hat er Geburtstag, er hinkt mir da immer ein wenig hinterher, der einzige Vorsprung, den ich halten konnte. Die Geliebte ist es wohl doch nicht, sagt er, sind auch schon wieder 50 Stunden und mehr, sagt er, aber am nächsten Wochenende bleibt es dabei, komm ruhig, ich freu mich, und ich fahre also nach Frankfurt und wir zwei werden das feiern, das Altwerden. Würde ja gerne, eine Lesung, ein Slam, danach in einer Weinstube versacken, aber wir werden wohl dieses Menü nehmen in einem großen Hotel, die machen das sehr preiswert, sagt er, müssen ja irgendwie die Auslastung schaffen, ist aber wirklich lecker, sagt er, mal sehen. Zuerst wollte ich ihm eines der ungeöffneten Bücher mitbringen, aber ich werde mich wohl doch trennen von dem dicken Pessoa, das Buch der Unruhe ist zwar schon ausgepackt, aber noch nicht gelesen, kam nicht dazu, wollte noch nicht, werde mir das sicher irgendwann ein zweites Mal leisten können und es passt ja vielleicht zu einem Unternehmensberater in Frankfurt, einem Freund, der Geburtstag hat, und vielleicht werde ich mir ja zur Feier des Tages ein Pflaster auf die Stirn kleben.
 | etcpp, 2004.07.13, 19:15
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