zwo

… Logistikproblem …da können wir stolz sein … von drüben, rechts reden sie auf englisch, es geht um Chemie und Standorte, … hat einen langen Schwanz, sagt die Frau direkt links. Das macht ein Lächeln in meinem Bauch. Bevor es mein Gesicht erreichen kann, lösen die nachfolgenden Worte es auf, es geht um einen kleinen Hund, er hat einen braunen Fleck auf der Stirn, ein kleiner, kläffender Gorbatschow. Alles bleibt hässlich. Die Sprachfetzen sabotieren meinen Plan, alles ist verflogen, das Handbuch bleibt in der Tasche, halb gelesen, was man so lesen nennt, kennt man ja alles, steht ja nix Neues drin, so geht business und die Übelkeit ist wieder da. Ich wünsche mir diese Tische weg. Die Engländer heben die Hand, sie zahlen, dann die Logisten, dann die Frauen, es funktioniert. Das müsste verifiziert werden, aber kein Wunsch fällt mir ein, nicht einmal auf die Schnelle, aber vielleicht funktioniert es ja auch mit einem erdachten Wunsch. Ich will noch einen Kaffee. Wie viele Minuten muss man einem Wunsch geben, bis seine Erfüllung zwangsläufig wird, wäre ja schließlich kein Wunder, wenn ich hier eine Stunde säße und dann käme ein Kaffee. Eine Minute? Ab jetzt.

Drei Minuten. Die Erfüllung eines erdachten Wunsches dauert also drei Mal länger. Früher dachte ich immer, ich würde sterben, bevor ich dreißig Jahre alt bin, vermutlich werde ich also neunzig Jahre alt, auch mit neunzig noch ein Bündel angefangener Geschichten, immer nur zwei Sätze oder drei, und immer mit dem letzten Satz nur einen einzigen Punkt entfernt von der Langeweile. Jede Wiederholung macht Dich zum Replikanten, vielleicht sogar jede Wiederholung im Wesen, es bleibt nur die Illusion von einer Absage an die Selbstähnlichkeit, die unerklärliche Sehnsucht nach dem Neuen, man kann einen ganzen Tag auf der Schadowstraße sitzen, es wird keinen Passanten geben, der auf Händen läuft. Ich sehne mich nach einer echten Unordnung der Welt. Werde nach Hause gehen und üben. Handstand.

Weiterschreiben, obwohl ein Text zu Ende ist. Das ist gut, Niemandsland, letzter Gast auf der Party, ich ignoriere euer Gähnen. Ich will noch einen Kaffee. Fünfzehn Sekunden, schon besser. Ich will ficken. Das ist gut, schwere Prüfung, ich sitze im Café, wie sollte da ficken wohl funktionieren, das muss ja unerfüllbar bleiben. Unerfüllbare Wünsche um das Prinzip zu widerlegen. Vielleicht ist das ja der wirkliche Trick mit dem Wünschen, dass man sich in den Parametern der Wirklichkeit bewegt. Drauf geschissen.

Geiles Klavier, geile Trompete. Habe immer geglaubt, für Musiker ist das anders. Immer wieder die Euphorien im Hören, würde gerne wissen, wie es ist, Musiker zu sein. Die Erdmöbel vor einigen Wochen, in der Kulturkirche, war ja fassungslos, dass die so gut sind und gleichzeitig so unbekannt. Sofort losgerattert, scheiß Homepage, scheiß Marketing, scheiß Timing, scheiß Cover, scheiß Fotos, scheiß irgendwas, direkt auch drüber nachgedacht, mich anzudienen, es und alles eben besser zu machen, das sollte doch gehen, dass die bekannter werden und Tage später erst begriffen, dass es vielleicht so, wie sie es machen, eben doch und einzig: richtig ist.

Schon wieder ein Ende. Weiterschreiben. Immer weiter schreiben. Und das Lesen vor dem Schreiben aufhören lassen. An diesem Tisch muss man gebeugt sitzen. Wenn man sich anlehnt, dann bläst die Klimaanlage in den Nacken. Würde jetzt passen, irgendwas zu schreiben vom Gebeugt- und vom Aufrechtsein und vom Wind. Drauf geschissen, alles müde. Ich würde gerne einen Mann fotografieren, der sich um eine Tanksäule klammert, ARAL, nachts und nackt. Das Bild ist in meinem Kopf, es fehlt die Kamera, der Mann, die Tankstelle, die Nacht.

Ungetrunken, diesen Kaffee lasse ich stehen.

   

   
thema [Bodenturnen]
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(Bez. Erdmöbel habe ich das auch eine Weile lang gedacht: dass es, die Grafik, viel zu häßlich, grell sei. Aber die ist ja von ekimas, der Antipode zum Sänger, dessen Namen ich mir noch nie merken konnte, und womöglich ist das Konzept oder so was. Sehr lange nicht mehr gehört und noch länger nicht mehr gesehen. Ganz so unbekannt sind die, dachte ich jedenfalls, nicht: 1999 hatten die einen Hit, Wette unter Models). Soll man sich bei den Auftritten eigentlich immer noch hinsetzen?

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Bilde mir ja ein, dass denen das Scheißeaussehen nicht Konzept, sondern eben einfach egal ist. Das gefiele mir.

Keine Ahnung, wie das mit dem Hinsetzen ist, so grundsätzlich, in der Kulturkirche jedenfalls, da saßen sie. Bis auf die Leute, die im Gang standen. Mich hätten die gestört, eine seltsam erfrorene Prozession zwischen all den Sitzenden; aber sie haben nichts dazu gesagt, die Erdmöbel.

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Das erste Mal seit langem wieder von einem Weblogeintrag berührt worden. Komisch, wenn man etwas liest und hört auf einmal die eigene Stimme im Kopf mitsprechen; der Autopilot der Wünsche und das Wünschenwollen an sich. Gute Sache; trotz allem.

Musiker sein und texten ist übrigens ziemlich gut. Man wird im Zweifelsfall nix Vernünftiges, aber die Euphorie bleibt und schlägt über ins andere Medium. An guten Tagen.

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Online seit: 11.11.2003
Stand: 2008.10.10, 20:06
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