Wenn man sich die Präsentation des Entwicklungspaketes für das iPhone anschaut, dann sieht man nach einer Stunde und ungefähr dreizehn Minuten, dass John Doerr bewegt ist von dem, was da geschieht und geschehen wird, und dass er bewegt ist davon, einen Platz in der ersten Reihe ergattert zu haben. Und man könnte meinen, dass er kurz davor ist zu weinen, in seiner Bewegtheit. Weil das alles so groß sein wird, wie es die Computer nicht waren. Und man bekommt eine düstere Ahnung davon, dass Apple das neue Microsoft ist.

   

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Christian Neureuther und Rosi Mittermaier sind unglaublich nett.

Ich habe die beiden vorhin in einem Werbefilm gesehen, lächelnd und in seltsamem Schritt nebeneinander gehend. Echt nett. Ich würde gerne wissen, ob die auch miteinander vögeln.

Ich meine, theoretisch will ich das wissen. Weil ich mir nicht vorstellen kann, dass Menschen, die so nett sind, auch miteinander vögeln. Krieg ich nicht hin, diese Vorstellung. Wie dieses Elternding, dass man sich eben nicht vorstellen kann, dass Eltern, ach, egal.


(Edit: Die Schmerzmittel nach der Zahn-OP müssen Nebenwirkungen haben.)

   

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Und dass sie Eventmanagement im Fernstudium studiere, die junge Frau, nebenbei, Nebentisch, neben allem.

   

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Ich hab mir immer noch nicht das Video angesehen, wie der Goetz sich die Stirn aufschlitzt. Ich bin uninformiert.

Hat dem wirklich keiner geholfen?
Drecksäcke.

   

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Frage mich manchmal, ob noch der letzte Rest des letzen Lichts aus dem hintersten Winkel des Universums, dem hintersten Winkel der Zeit, ob noch dieses Licht meine Netzhaut erreicht. Schöbe ich nur die Wolken beiseite und den Staub, sähe ich nur richtig hin; und die Sterne, oder könnte.

   

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Die Generation meiner Tante im Doppelpack, da scheint mir grundsätzlich ein Führer dabei, einer der bestimmt, wo es langgeht, und der gleichzeitig dokumentiert, da, da sind zwei Plätze frei, komm, da setzen wir uns hin, so, setz dich, komm, setz dich doch, hach, mein Mantel, so, jetzt sitzen wir. Scheint so, als würde da ein Filter fehlen, als würden die neuronalen Vorgänge ohne weitere Bearbeitung durchgeschleift, möglicherweise unbemerkt, kann man ja nicht wissen, Sicherheit ist eine Illusion. Und vielleicht laufe auch ich durch die Stadt und erzähle der Welt, ohne davon zu wissen. Könnte ja sein. Und würde einiges erklären.

   

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Immer, wenn sich ein Pärchen an den Tisch setzt. An dem ich alleine sitze. Entscheidet der Mann, mein Gegenüber zu sein. Immer auch dreht er den Kopf oder sich selbst, so dass er seiner Partnerin dennoch zugewandt ist. Der Mittelweg zwischen Genetik und Freiheit scheint diagonal.

   

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Stuttgart

Einer der Moderatoren blies ein riesiges Saxophon, er hatte keine Unterstützung, aber eine Menge Spaß. In der Pause stand er neben mir, zu meiner Rechten, wir warteten auf Bier und ich fragte ihn, ob das tatsächlich Gernhardt sei zu meiner Linken, er war es. Nachdem er mich als Fan vorgestellt hatte, redeten wir ein wenig, der Gernhardt und ich und was man so reden nennt; ich redete dummes Zeug, er lächelte milde. Als die Pause vorbei war, verschwand er zurück in die erste Reihe, das Glas in der Hand, ich blieb stehen. Das war ein guter Platz, etwas seitlich der Bühne, die Slammer, die es hinter sich gebracht hatten, liefen hier ein und schauten den Nachfolgenden zu, war ich gut?, sicher waren sie gut, alle, weiß nicht, war ein bisschen nervös, nein, wirklich klasse, und dann wieder rauchen und trinken und lachen, sowieso alle und alles verqualmt und besoffen und glücklich. »Sir« Jan Off hat es dann nachher gemacht, beim National 2000. Später Tanzmusik. Irgendwann torkelte ich Tracy Splinter hinterher, die Stufen hoch, ich hatte ihren Beitrag nur unvollkommen verstanden, englisch, aber diese Stimme!, dieser löchrige Pullover!, dieser Abend!, also ein Autogramm, was auch sonst, reden wäre ja unmöglich gewesen, wie sollte ich mit ihr reden können. Der Zettel hing lange an meinem Regal, eine grüne Erinnerung an nichts. Irgendwann hockte ich schwankend am Rande der Bühne, drehte mich immer wieder um, hin zu dieser anderen Frau, diesen anderen Männern, so unglaublich jung das alles, Freestyle, Rap, was auch immer die dort oben machten, es war mir neu und unergründlich und es erschien mir so unfassbar lebendig. Irgendwann sprach mich ein Bursche an, tatsächlich, wir waren gemeinsam zur Schule gegangen, Gestaltung, ich wusste nicht mehr viel von ihm, er war ein schlechter Zeichner, aber das ist eh wurscht, und da hinten ist Sven, der ist jetzt Künstler, er lachte, dann laberten wir und tranken und verabredeten die Weltherrschaft, mindestens aber ein Wiedersehen, wie man das eben so macht, wenn man sich nach ewigen Zeiten volltrunken wiedertrifft. Ich konnte mich nicht trennen von diesem Abend.

Letzten Sonntag dann Stuttgart, vier Jahre danach. Alles viel professioneller, alles viel sauberer, die Bühne, die Beleuchtung, der Beamer beamt Logo und Zwischenstand, die aufsteigenden Sitzreihen, die saubere Luft, das Mitnehmen von Getränken in die Halle ist verboten. Wir konnten uns nicht entscheiden, ob wir die Vorrunde in T2 oder T3 nehmen, C. will in T2. Später die Endrunde in T1 und Livemusik, wenn die Karten mit den Wertungen hochgehen. Wir sehen die ersten vier Leute, bin mir nicht sicher, ob der erste Mischa da nicht der Taxi-Mischa ist, egal, er brüllt gegen die Halle an, kann ihn kaum sehen, da hinten auf der Bühne, dann müssen wir gehen. Unser Zug fährt um elf. Am Ausgang der Halle der Tisch: Bücher, CDs, Merchandising, die meisten Namen kenne ich noch von dem Slam in Düsseldorf damals, die meisten haben es wohl geschafft irgendwie, irgendwas, keine Ahnung. Professionell ist das alles geworden. Ich bin mit der falschen Erinnerung dorthin gefahren, ist ja manchmal so, dass man sie verliert, diese Dinge, wenn der Erfolg kommt. Später im Zug: eine Dose Bier, ich erschrecke als der Druck entweicht, die Dose fällt in meiner Hand beinahe zusammen. Bin die modernen Dosen nicht gewöhnt, dünnwandig all das.

   

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War und werde

Meine Gewissheit über die Zwangsläufigkeit von allem zusammenzubekommen mit der Idee eines freien Willens, das war mir bisher unmöglich, obschon ich sicher fühlen konnte, dass es so etwas wie einen freien Willen gibt. Es hat lange gedauert, erst jetzt habe ich begriffen, ein bisschen; es kommt wohl auf den betrachteten Zeitpunkt an, und die Blickrichtung.

Die Zwangsläufigkeit scheint ein Zustand der Vergangenheit, alles was geschah, konnte nur so geschehen. Weil alles so war, wie es eben war, lässt die reine Logik keinen Raum für Alternativen. Die Zukunft hingegen ist offen, weil sie die Addition ist von mir und der Welt, aller Begebenheiten und Zustände und meiner selbstbestimmten Handlung. Mit einem natürlich zwangsläufigen Resultat, später, und rückblickend.

   

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hr

»Vier Etagen, kein Aufzug, Kind auf dem Arm: Geben Sie mir zwei Minuten«, ich hechele in den Hörer. Ein Anruf aus der Vergangenheit, sie will einen Themenabend machen, sagt sie, und ich solle doch, könne doch, und sie würde ja gern, und alles, was sie dazu im Netz gefunden habe, das liefe ja auf mich hinaus. Bilder der Journalisten und ihre Stimmen, die Studios, die Guten und die Bösen, all das schwappt in meine Gegenwart. Sie redet ruhig, Ruhe ist ihr vertrautes Instrument. Im Hintergrund betritt eine Frauenstimme den Raum, die tiefen Frequenzen zerquetscht von Unsicherheit und quengeliger Unruhe. »Ich kann nicht«, sage ich, sie mag nicht akzeptieren.

Doktor W. fällt mir ein, der könnte ja vielleicht, er ist Profi, wusste auch immer, wie man Geld verdient, ich glaubte immer, er würde sich und sein Können verraten, seine Seele vielleicht. Brot und Spiele, er wusste immer schon das, was ich nie begriff. Ich erkannte ihn erst spät, zu fahrig, zu fern sein Humor, in den frühen Jahren war vielleicht auch ich ein anderer, dann las ich ein Stück von ihm und verfluchte die Welt, und dass man Geld verdienen muss und auch er, und ich verfluchte, dass er es kann, anstatt. »Doktor W. könnte Ihnen vielleicht helfen«, sage ich, »muss nur die Nummer raussuchen«, sie will später erneut anrufen.

Vorher werde ich an den anderen Account müssen, fast userswitching, mein Schreibtisch wird wegklappen und mir dann einen Spiegel vorhalten, hunderte E-Mails noch immer, ich habe keine Antworten mehr. Eine letzte Idee, tatsächlich, ich habe seine Nummer noch gespeichert, rufe ihn an, nein, es geht mir gut, ja, er will. Dann warte ich auf ihren Rückruf, der Kaffee ist kalt geworden, meine Hände.

   

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Jelenia Góra

Die Geschichte meines Vaters ist lang, aber er bellt sie in ein paar Sätzen herunter, es sind die Unterschriften zu den Bildern in seinem Kopf, vereinzelte Zeilen, sie formieren sich zu einem ruppigen Gedicht von blutigen Füßen und Leichen. Die Geschichte einer Reise, die in Hirschberg (Jelenia Góra) begann, ich kann mir die zitternde Route nicht merken, zu schnell geht mir das, er gibt Auskunft, aber er hat nicht die Kraft, zu erzählen. »Moment, ich hol das jetzt mal.« Das ist mir neu. Er habe sich Notizen gemacht, sagt er, damit er nicht vergisst; den Weg, die Menschen, die Orte.

Später sitzt er da und schaut auf die verblichenen Platten der Terrasse. Der alte Spiegel ist weg, dort hatte er die Blätter hineingelegt, aber er kann ihn nicht finden. Er spricht leise und mit einer heimlichen Fassungslosigkeit, als hätte er mit diesen Daten auch seine Kindheit verloren. Dann geht er, um ein weiteres Mal das Altpapier zu durchsuchen. Ich trinke von meinem Kaffee und erinnere mich, wir hatten vor Jahren eine Reise gemacht, um die Stadt zu besuchen und das Haus, in dem er geboren wurde. Erst später fiel mir die Ähnlichkeit auf zu dem Haus meiner Mutter, jener Frau, die er heiratete, und manchmal denke ich, dass es ein kleines bisschen auch das war, was ihn hinzog zu ihr, eine bleiche Erinnerung an die Zeit vor der Zeit und der Wunsch, endlich heimzukommen.

   

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Vorher weiß man es immer besser.

   

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Standstreifen

Sie haben immer etwas vor. Sie eilen mit strahlenden Augen durch den Tag und reihen Stunden aneinander in Geschäftigkeit. Ihre atemlose Hast nimmt gleich auch mir den Atem, ihr Ausgefülltsein macht mich leer. Manchmal scheint mir, als ob ich erst in dieser Leere hören könnte, was ich zu sagen habe, nicht selten erst im Echo.

Täte ich es ihnen gleich, so würde ich verschwinden, restlos; als würde meine Existenz sich im Verharren finden.

   

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Stand: 2008.07.22, 00:56
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