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 | etcpp, 2004.11.25, 16:57
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 | etcpp, 2004.08.29, 00:40
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Manchmal muss man sich ausziehen, um nicht zu frieren.
 | etcpp, 2004.07.29, 17:13
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Hackentrick
»Ich bin hier der Star,« so hätte ich ihn begrüßt, sagt er, mit einem Pflaster auf der Stirn, sagt er. Das war bei seinem ersten Fußball-Training mit unserer D-Jugend und ich muss wohl beeindruckt gewesen sein von seinen Fähigkeiten, ich muss wohl Angst gehabt haben, zu verschwinden, wenn da ein Besserer käme. C. hat das niemals vergessen. Ich kann mich nicht erinnern. Aber ich glaube ihm, denn es geschah zu einer Zeit, wo es gut möglich ist, dass ich den Größenwahn noch vollends ausgelebt habe, erst später, in den Jahren danach, übte ich mich dann in Verdrängung. Heute bin ich noch immer ein Arschloch, noch immer arrogant, aber eben heimlich.
C. ist die Flucht gelungen aus einem Lebenslauf, den wir ihm immer wieder unter die Nase gerieben hatten, Bankkaufmann etc., und er kämpfte sich durch die Abendschule, das Studium, später zwei Auslandssemester und in den Ferien Club Med, Frankreich, dann der Umzug nach Frankfurt, er arbeitet heute in einer Unternehmensberatung. Bis ins Frühjahr hinein nahm er ein halbes Jahr Auszeit, Südamerika, sechs Länder in sechs Monaten, zum Abschluss dann Cuba und eine Geliebte in Italien, wir telefonierten lange, als er endlich wiedergekommen war, er schwärmte von der Welt und einem anderen Leben und er fluchte über Amerika und ich hörte sein Paffen, drei Zigarren am Tag, in Cuba kostet das nichts, ein paar davon hatte er mitgebracht, und wenn sich das hier nicht endlich grundlegend ändert, dann mache ich was anders.
Am nächsten Sonntag hat er Geburtstag, er hinkt mir da immer ein wenig hinterher, der einzige Vorsprung, den ich halten konnte. Die Geliebte ist es wohl doch nicht, sagt er, sind auch schon wieder 50 Stunden und mehr, sagt er, aber am nächsten Wochenende bleibt es dabei, komm ruhig, ich freu mich, und ich fahre also nach Frankfurt und wir zwei werden das feiern, das Altwerden. Würde ja gerne, eine Lesung, ein Slam, danach in einer Weinstube versacken, aber wir werden wohl dieses Menü nehmen in einem großen Hotel, die machen das sehr preiswert, sagt er, müssen ja irgendwie die Auslastung schaffen, ist aber wirklich lecker, sagt er, mal sehen. Zuerst wollte ich ihm eines der ungeöffneten Bücher mitbringen, aber ich werde mich wohl doch trennen von dem dicken Pessoa, das Buch der Unruhe ist zwar schon ausgepackt, aber noch nicht gelesen, kam nicht dazu, wollte noch nicht, werde mir das sicher irgendwann ein zweites Mal leisten können und es passt ja vielleicht zu einem Unternehmensberater in Frankfurt, einem Freund, der Geburtstag hat, und vielleicht werde ich mir ja zur Feier des Tages ein Pflaster auf die Stirn kleben.
 | etcpp, 2004.07.13, 19:15
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Mai
Als wäre dies hier nicht mein Ort, als würde ich mir den Zugang nur erschleichen. Er hat so seltsam enge Hosen, der Mensch, der noch hier wohnt (mein Arsch ist fetter) und kichernd hockt er in der Ecke, unsichtbar: Er scheint mir zuzusehen. Sein Zeug, das werd ich nicht auftragen, Erinnerungen eines Anderen, wie gewohnt.
Weiß gar nicht, ob ich wirklich wieder schreiben will, ist ja nicht leicht, der Ekel manchmal, nur Tage später, als würde man ein vollgewichstes Taschentuch in der Ecke finden und kaum glauben wollen, dass man das selber war. Immer auch der fortgesetzte Wechsel in der Befindlichkeit, der mich wegreißt von den Texten, eben waren es meine, später sind sie kaum mehr erkennbar, ihr verfluchtes Eigenleben allein schon durch die Form, eine unbeholfene Karikatur meiner selbst.
Diese Ahnung davon, dass Geschichten mich vergewaltigen wollen, manchmal. Diese Ahnung davon, dass ich es zulassen sollte; auf der Suche nach einem Loch im Gartenzaun.
 | etcpp, 2004.05.13, 20:16
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Ich soll wenigstens mal sagen, dass ich noch lebe, hat man mir gesagt, zwei Worte nur, das würde reichen, und also gut: Ich lebe. (Als ob das Hinschreiben so einfach wäre, das ist es keineswegs; nicht einmal diese beiden kleinen Wörter sind banal)
Der allumfassende Stillstand ist mir wichtig, ich schaue den wehenden Schleiern zu, manchmal erhasche ich einen Blick dahinter. Es geht mir gut.
 | etcpp, 2004.05.04, 00:53
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Tellerwäscher
Als wir noch Kinder waren, da musste ich spülen. Mein kleiner Bruder trocknete ab. Oder es war umgekehrt, mein kleiner Bruder musste spülen und ich trocknete ab. Ich weiß nicht mehr, ob das ausgewürfelt wurde, vielleicht bestimmten auch die Eltern die Arbeitsverteilung, vielleicht wechselten wir uns einfach ab.
Wenn ich spülte, warf mein Bruder regelmäßig Geschirr zurück ins Spülwasser. Er hasste die wachsenden Stapel vor seinen Augen, das schien ihm der tellergewordene Vorsprung des Erstgeborenen, ein Überholen unmöglich, aber seinen Rückstand konnte er so auf ein Maß begrenzen, das ihm erträglich schien, ist doch noch schmutzig und plumps.
Wenn ich hingegen abtrocknete, dann goss er immer wieder eine Handvoll Wasser über den Stapel Geschirr, so konnte ich ihm nicht enteilen. Das Abtrocknen dauerte länger, aber sonst gibt das Ränder, er grinste.
Mein Bruder hat mittlerweile Karriere gemacht, hat Familie, ist Hausbesitzer. Sein Weg dorthin mag vielleicht zwangsläufig gewesen sein. Ganz sicher aber war er nicht leicht.
 | etcpp, 2004.03.21, 02:11
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Wurzelbehandlung
Als ich meine Eltern fragte, aus welchem Grund Sie die wundervolle Korkenzieherweide ihrer oberen Hälfte beraubt hatten, da sahen sie mich erstaunt an, na, weil sie zu groß wurde. – Hätte ich wissen müssen.
 | etcpp, 2004.03.17, 22:02
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Eigentlich mit Anzug und lächelnd, so war es geplant und so langweilig wurde es, vollkommen vorhersehbar, die Polaroids technisch perfekt, das Motiv – ich – enttäuschend. »Zieh doch mal das Jackett aus, am besten auch den Pullover, am besten nackt«, meinte O. und ich ahnte, das könnte tatsächlich anders sein, vielleicht ein Bild werden, also »gut, das Ei nehme ich in den Mund.«
Aufregender Nachmittag, länger her, und tatsächlich gibt es in der Serie ein paar Bilder, auch ohne Ei, auf denen ich mich erkenne. Das Bild da oben und heute, weil immer mehr Bilder der anderen rundherum auftauchen, finde ich schön, einige habe ich mir ähnlich vorgestellt, andere haben mich vollkommen überrascht.
 | etcpp, 2004.03.17, 01:21
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Schwanzgeschichten
»Musst du diese Dinge immer in den Schmutz ziehen?«
Ich schaue zu meiner Mutter hoch, sie ist aufgebracht. Nein, ganz im Gegenteil, der Schmutz wird ja entsorgt, gesäubert das, was sie so aufregt. Ich hocke auf dem Boden, wickele den Pimpf und bitte ihn, mir da zu helfen. »Hältst du mal bitte deinen Schwanz fest?«, denk mir nichts dabei, er macht das immer, drückt sein Ding nach unten, damit es richtig liegt in dieser Windel.
»Wie bitte?«, frage ich sie, mir ist natürlich klar, dass sie das furchtbar findet, Schwanz ist ja kein Wort, schon gar nicht für so einen kleinen Pimpf, da sagt man Pimmelchen, zumindest aber Penis, am besten aber gar nichts. Ich kann sie nicht in ein Gespräch verwickeln, das wäre ja mal was gewesen, die Dinge deutlich ausgesprochen mitzunehmen. So reihte sich das nahtlos ein in all diese Gespräche jenes Rosenmontagnachmittags, entbehrlich eben.
Man kann es halten, wie man will, ich mach das eben so. Kein Wort, das ich im Alltag je gebrauche, vermeide ich, wenn Pimpf dabei ist. Wüsste auch nicht, wieso, erklären konnte mir das keiner. »So eine Scheiße!«, flucht der Pimpf dann eben auch, wenn was nicht klappt und manch Erwachsenem, der das auch wirklich ist, verdreht es dann die Augen.
Dabei habe ich es ja schon gut gemeint mit meiner Mutter, ein Teil des Wickelrituals blieb ausgespart. Normalerweise kriegt der Pimpf ein feuchtes Tuch und macht sich selbst die Eichel sauber, »Das kann ich selber!«, und er macht das gut.
Als ich nun da so saß, die echauffierte Mutter auf der Couch, der Pimpf schon wieder angezogen, da fiel mir ein, wie das bei mir gewesen ist. Gehört ganz sicher nicht hier hin, ich werde dennoch drüber schreiben, nur eben in den Kommentaren. Kann ja sein, das mutterähnliche Besaitung mitliest, wenn, dann nur auf eigene Gefahr.
 | etcpp, 2004.02.24, 15:11
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Ich hatte nie das Geld, deshalb machte ich den Dreier erst spät und nicht in Kombination mit dem Einser, also immer nur vier Räder, statt zwei. Erst Jahre später habe ich die Motorradprüfung nachgeholt, das war spürbar teurer geworden und ich hatte immer noch nicht das Geld, dafür aber eine schlimme Erfahrung gemacht, die es mir notwendig erscheinen ließ, diese Prüfung endlich zu machen, irgendwie, das schien mir die einzige Rettung, zwei Räder und kein Ziel. Also machte ich den Schein. Für ein Motorrad hat es dann nicht mehr gereicht.
Ich hatte es mittlerweile fast aufgegeben, jemals ein eigenes Motorrad zu besitzen, bis zum letzten Sommer. Ich setzte mir einen finanziellen Rahmen, lächerlich niedrig, und begab mich auf die Suche, wälzte Zeitungen, hörte mich um, recherchierte in Onlinebörsen, schließlich fand ich eine Handvoll Maschinen, die in Frage kamen. Das bedeutete nichts, denn es war nahe liegend, dass ein Motorrad zu einem solchen Preis, wie ich ihn mir ja als Limit gesetzt hatte, nicht in Ordnung sein konnte, musste es aber, denn ich bin wahrhaftig kein Schrauber, es macht mir keine Freude und schon das Putzen von Metall oder das Wechseln von Zündkerzen ist mir zuwider, Werkstattarbeiten in Auftrag zu geben, hätte aber wieder Geld erfordert, das nicht zur Verfügung stand, also ein nahezu aussichtsloses Unterfangen, eine Maschine zu diesem Preis, fahrbereit und gesund.
Eine einzige Maschine sah ich mir an, der Preis war in Ordnung, die Daten klangen gut, der Mann schien seriös. Ich bat meinen Bruder, mich zu begleiten, er ist anders, ein Narr und ein Fachmann, er kennt sich aus. Zwar war mir das Modell unbekannt, zudem war es uralt, aber als ich das Motorrad dann sah, war ich begeistert, es war wunderschön. Ich bat meinen Bruder, eine Testfahrt zu machen, ich selbst hatte ja lange nicht mehr auf einem Motorrad gesessen, es war mir peinlich, kaum die richtige Bedienung zu erinnern. Also fuhr er davon, ich schaute ihm nach, ein wenig stolz, später hörte man ihn schon von weitem wiederkehren. »Nun aber Du«, sagte er. Also setzte ich den wackeligen Mofahelm auf, den ich von meinem Vater geliehen hatte, setzte mich auf das Motorrad und fuhr los, etwas unsicher zuerst, nachher dann ein schönes Gefühl, wenn auch irritierend, denn die Bremsen schienen nicht richtig zu funktionieren, egal, dann eben etwas fester drücken, irgendwie schief auch das alles, ich musste den Lenker immer ein wenig einschlagen, damit es geradeaus ging, egal, daran würde ich mich gewöhnen, eine alte Maschine, was will man erwarten, sie ist halt ein bisschen lahm. Als ich wieder zurückkam auf dieser Straße, eine Kurve bergauf, war ich fest entschlossen, diese Maschine zu kaufen.
»Und?«, fragte mein Bruder. »Schön«, erwiderte ich. »Mag sein«, meinte er, »aber kaputt.« Dann zählte er mir auf, was alles an der Maschine defekt war oder bald werden würde, eine unendliche Liste mit erschreckenden Details. Ich setzte mich auf die Bordsteinkante um zu sterben. So nah war ich dem Besitz eines eigenen Motorrads nie gewesen, es schien mir klar, dass dies meine letzte Chance sein würde, jetzt oder niemals mehr, alles lässt sich doch reparieren, irgendwie, man braucht das richtige Werkstattbuch und ein wenig Hilfe, ich würde es vielleicht sogar selbst hinbekommen, »Knapp fünfzehnhundert Euro, alles in allem, schätze ich«, mein Bruder lächelte immer noch. Dann nahm er mich beiseite und erzählte mir von neuen Motorrädern und preiswerten Leasingangeboten und ABS und wie verrückt ich sei, überhaupt daran zu denken, diesen Bündel Schrott zu kaufen. Ich schaute hinüber zu der Maschine, sie stand dort aufgebockt, mir war zum Heulen.
Dann hörten wir erneut ein Motorrad den Berg hinaufkommen, noch entfernt, noch hinter der Kurve, wir schauten die Straße hinunter. Ein junger Mann saß darauf, er fuhr nicht schnell, und als er uns sah, bremste er und hielt an. Er nahm den Helm ab und schaute sich die Maschine an, deren Kauf mir unmöglich geworden war. Seine Maschine stand nun ein paar Meter weiter und ich konnte nicht glauben, was ich dort sah, es war die gleiche Maschine, dort standen Zwillinge, zwei identische Motorräder: Ebenfalls grün, ebenfalls Baujahr 1976, ebenfalls eine Honda CB 200, aber diese zweite war fahrbereit und technisch komplett in Ordnung. Und für 350 Euro wurde sie mein erstes Motorrad, das da oben, das ist sie.
 | etcpp, 2004.02.23, 22:55
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Ich brauche nicht Tokyo, um mich so zu fühlen.
 | etcpp, 2004.02.15, 03:19
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Manchmal bin ich Phettberg, nur weniger offensichtlich.
 | etcpp, 2004.02.15, 03:06
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