Wie jetzt – an Prinzenrollen sind Aufreißlaschen?

   

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Der Mann, dem ich die Geste jener Momente verdanke, und genau diesen Blick; jener Momente, die mich so sehr erschrecken lassen, weil ich nicht mehr ich selbst zu sein scheine, sondern ein anderer, er, als sähe ich in meinem inneren Spiegel nicht mehr mich, sondern ihn, als durchwehte mich eine fremde Seele statt meiner, als sei ich, für die Dauer einer Geste und genau diesen Augenblicks, reduziert auf ein genetisches Zitat; dieser Mann erzählt mir mehr über sich, in jenen Momenten, als in allen Gesprächen.

   

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Seltsames Wochenende und eine seltsame Unlust auf mehr. Seltsame Filme besorgt. Seltsamer Zeitpunkt, das zu begreifen, gerade jetzt; dass mir Liebesfilme nicht gefallen. Dass ich beim Anblick der Plakate und vorhin eben der DVD-Hüllen von Liebesfilmen ein mulmiges Gefühl habe, immer schon hatte, und selbst dann, wenn ich nur die Bilder sehe, Bilder zweier Menschen ja meist, die auf sich bezogen sind; schon wenn ich nur davorstehe und schaue. Und dass genau dies der Grund ist.

   

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Warm

Und der Hebel der Einhebelmischarmatur, der wieder exakt in der Mitte steht, in Flucht mit dem Wasserhahn. Und ob es die Ästhetik ist, die dazu motiviert, oder die Idee einer Ordnung, oder ob es tatsächlich die exklusive Position einer perfekten Wassertemperatur ist. Und ob das Gefühl für die richtige Temperatur ein bisschen betrogen wird, damit alles wieder stimmt, ein bisschen beiseite geschoben, nach links oder rechts, und weg vom tatsächlichen Ideal, hin zu einem optischen, und zurück in die Ordnung.

   

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Als das Geld fehlte, um mit den beiden anderen an die spanische Küste zu fahren, da beschlossen Peter und ich, mit dem Zug an die deutsche Küste zu fahren. Mutter brachte uns zum Bahnhof, bis zur nächsten Station hatten wir anders entschieden, wir stiegen aus, wir wollten nach Spanien trampen. Der erste Tag lief nicht sonderlich gut, zwei Jungs mit riesigen Rucksäcken, wir übernachteten unter irgendeinem Autobahnkreuz in Köln, egal, war ja vollkommen aufregend, zum ersten Mal trampen, später zum ersten Mal Bier, zum ersten Mal Zigaretten und noch später, in einem Zelt, neben einer französischen Autobahn und mit knallroter Birne – zum ersten Mal eine allergische Reaktion, Creme 21. Die gibt es jetzt wieder.

   

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Kicker

Sie will diesem Mann seine Apfelschorle bringen und verharrt auf halbem Weg, als sie sieht, dass da schon eine Apfelschorle steht. Dann macht sie kehrt, zögert erneut, wirft die Zitronenscheibe in den Abfalleimer, stellt das Glas in das Regal hinter der Theke. Dann beginnt sie, die Spülmaschine aufzuräumen.

Ich will nur eine kleine Pause machen, war den ganzen Weg zu Fuß gegangen, nun bin ich erschöpft. Sollte auch eine Apfelschorle trinken, gibt dünneres Blut, besser für den Kreislauf, besser für das Herz, im Moment geht nur Kaffee. »Noch einen Kaffee, bitte«, sie nickt mir zu, auch ich bin in Gedanken, einfache Gänge, aber sie hängen mir lange nach, hätte das nicht gedacht. Sie räumt die letzten Tassen aus der Maschine, eine Tasse gleitet ihr aus der Hand und rollt über den Boden, sie bückt sich danach, ich rauche.

Dann läuft sie in die Küche, nach hinten, nach vorn, aus den Augenwinkeln kann ich sie sehen, eine Angewohnheit, die mich niemals mehr verlassen wird, das gesamte Sichtfeld beobachte ich automatisch. Es ist mir nicht wirklich bewusst, mein Hirn macht das selbsttätig, man muss ja die Lage sondieren, man ja muss rechtzeitig reagieren können, war ja Defensivspieler damals, beim Fußball, den Gegner im Auge behalten, vielleicht nicht nur Sport. Ohne hinsehen zu müssen, sehe ich meine Tasse dort hinten in der Maschine stehen, sehe, wie sie stutzt, wie sie überlegt, sich erinnert, die Tasse nimmt und auf eine Untertasse stellt, Milchtöpfchen, Löffel, sie kommt näher, stellt die Tasse vor mich hin, auf den Tresen, ich schaue auf.

»Du wirkst heute ein wenig verträumt«, und ich hoffe, dass sie nur ja sagen wird, aber sie sagt »Ja, aber wirklich« und lacht und holt alles in diese Welt zurück, die Apfelschorle, die Tasse, den Kaffee, das Bild.

   

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Lesezeichen und Blogroll wandern langsam auseinander, die lange Leine rächt sich, alles verlottert, ungemütlich.

   

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Gestern habe ich die beiliegende DVD der TV Spielfilm zugesteckt bekommen, enthält die erste Folge der zweiten Staffel von 24. Soll gut sein, die Serie, ist sie auch, mir zumindest hat diese Folge gefallen. Falls es interessiert: Die Antwort für das Gewinnspiel ist 177, nicht 42.

   

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Stecher

Es wird Zeit, dass der Sommer kommt. Es wird Zeit, dass die Temperaturen wieder in ein Übermaß steigen, dass ich endlich wieder fluchen kann, weil ich es überhaupt nicht mehr aushalte, direkt unterm Dach, weil ich es überhaupt nicht mehr aushalte, nur noch zu schwitzen und zu trinken und zu schwitzen und das Trinken bald nicht mehr zu ertragen, und alles ist eine Nummer größer, weil sich alles in die Hitze verteilt und mein Kopf ist und rot und verschwitzt und endlich, endlich, endlich würde diese Brille nicht mehr rutschen, weil eben auch mein Kopf größer wird und ich würde mich wie Geordi La Forge fühlen, ganz so, als wäre sie festgenagelt, diese Brille, und sie würde nicht mehr rutschen, diese Brille, wenn ich mal hüpfe und springe, aus lauter Lust, oder einfach nur so, niemals mehr würde sie rutschen und ich könnte es mir direkt wieder abgewöhnen, dieses krause Gesicht und den Zeigefinger, verflucht, dieser Zeigefinger, wie er so zielstreberhaft zwischen die Augen sticht um sie zurück an ihren Platz zu befördern, diese Brille, und ich müsste nicht Angst haben, diesen Zeigefinger schon bald nicht einmal mehr zu bemerken. Ja, es wird Zeit, dass der Sommer kommt.

   

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Manche dieser vollkommen abstrusen Absendernamen enttäuschen mich durch ihre Schönheit, denn es ist ja doch und immer wieder nur Spam, der so daherkommt. Keiner der wenigen Menschen, die ich näher kenne, trägt einen Namen, der mich schon allein durch seinen Klang für eine Sekunde entführen kann in den Briefverkehr eines erdachten Lebens, leichte Windböen einer Ahnung, sandfarben, wegen des Filters, der sie mir nimmt.

   

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Pop

Keine Ahnung, warum den alle Welt so scheiße findet, ich selbst habe nur ein einziges Buch von ihm gelesen, »Blackbox«, eher langweilig, aber kein Grund. Das Interview in der GQ – ja, die lese ich, komme trotz all dem Scheiß der Selbstverständlichkeiten nicht davon los –, er scheint mir erfrischend unvoreingenommen, der Benjamin von Stuckrad-Barre scheint ein Guter.

Egal, wenn schon nicht kaufen, dann zum Bahnhofskiosk, aufgeblättert Seite 92, das Foto hat es mir schon angetan, so gar nicht Barre-mäßig dieses Bild, man möchte, ach egal.

   

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ACR

Der Mann am Nebentisch will zahlen, er »hatte eine Apfelschorle und eine E-Mail.«

Mein Hirn stolpert, das tut es ganz von alleine, ich schaue dem immer wieder fasziniert zu, und es startet einen zweiten Durchgang der Mustererkennung, nein, es hieß E-Milch. Welch ein bescheuertes Wort für den kleinen Bruder des Milchkaffees.

   

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Grußformel

Das Schaufenster des Schneiders, der meine Sachen bisweilen instand setzt, ohne ein Entgelt dafür zu verlangen – er tut dies, weil ich ihm, als er damals einzog, mein altes Radio schenkte, es verstaubte im Keller und er sehnte sich nach Unterhaltung –, das Schaufenster dieses Schneiders, es misst vier Schritte.

Nach drei meiner Schritte bemerkt er, dass jemand an seinem Fenster vorbeigeht, nach einem weiteren Schritt bemerke ich, dass er mich erkennt. Weiß nie, ob er mein Winken dann noch sieht.

   

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Online seit: 11.11.2003
Stand: 2008.07.22, 00:56
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