GEZ

Es kommt mir seltsam vor, dass die öffentlich-rechtlichen Sender so panisch ins Netz wollen. Es mag sein, dass es eine perspektivisch zwingende Notwendigkeit der Ergänzung oder gar des Wechsels gibt, aber in der Zwischenzeit könnte man auch ein wenig selbstbewusster mit dieser Übergangsphase der Medienwelt umgehen. Die Angst vor der Beschränkung auf »programmbegleitende Dienste« ist unbegründet. Sie darf der Lust an der eigenen Kernkompetenz weichen.

Wenn ich als Medienverantwortlicher etwas zu sagen hätte, dann würde ich die Richtung umkehren. Anstatt mehr oder weniger konzeptlos ins Netz zu taumeln, würde ich das Netz in das Fernsehgerät holen. Nicht unbedacht, das Surfen von der Couch scheint mir eher uninteressant, sondern eben »pogrammbegleitend«. Kurz gesagt: programmbegleitende Dienste könnten das neue »Videotext« sein.

Die uralte, textbasierte Technik darf ruhig bleiben. Aber mit einem Internetanschluss am Fernsehgerät würde die Programmbegleitung ganz neue Wege gehen können, aufregende Wege, sehr nah an jenen, die vor der Flimmerkiste sitzen. Von frei wählbaren Textüberlegern (wie ist der Spielstand, zeige mir jene Infos, die ich sehen will und das in einer Größe, die meinem Sehvermögen entspricht) bis hin zu vertiefenden Informationen (wer ist dieser Mensch, der da gerade interviewt wird, hat der Bücher geschrieben, oh, das klingt interessant, kaufe ich jetzt).

Technisch gesehen wäre das eine optionale, frei individualisierbare und stehts aktuelle Darstellungsebene über dem laufenden Programm. Mit Texten, Bilder, Animationen, Filmen, Chaträumen, was auch immer. Hab weder Zeit noch Lust, darüber lange nachzudenken. Ich wundere mich nur ein wenig, warum die das nicht machen. Land ohne Ideen.

   

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Web X

Ein social Gedöns nach dem anderen raucht ab und geht in einem der Großen des Netzes auf; keinem einigermaßen erfolgreichen Neustart wird das anders gehen. Ist ja vielleicht auch gut so, da verdienen ja immer wieder ein paar Jungs und Mädels genug, um nie mehr arbeiten zu müssen. Schön auch, dass das Geld von jenen kommt, die genug haben - die kaufberauschten Internet-Bullerbüs sammeln an der Börse ja das Geld der Gierigen ein, da darf ruhig ein bisschen umverteilt werden.

Traurig stimmt allein, dass eine community nach der anderen auf Sicht verlieren wird. Zumindest glaube ich das, denn an mir selbst verspüre ich wachsende Unlust, diesen immer neuen Dingern beizutreten, bin ja schon froh, nur drei Testbilder auf Flickr zu haben. Ich vermute, dass ich mit dieser Unlust nicht alleine bin, dass auch aktivere Menschen sich mit den zunehmenden Unzumutbarkeiten schwer tun. Wenn es nur Alternativen gäbe. Jeder guten Idee wachsen zwar Kinder, aber auch die werden groß, geschluckt, verdorben werden. Was also könnte man tun? Erst mal nicht viel.

Dennoch: die Frage will nicht weichen, warum ich bei xing sein sollte, wo ich doch ein Software-Adressbuch habe, das all meine Daten vorhält, und jeder meiner Kontakte ebenfalls ein solches Adreßbuch? Es ja »nur« der soziale Aspekt, das Netz der Verbindungen, über den das Portal seinen Wert definiert. Den Vorteil, dass meine Bilder, Texte, E-Mails, Links irgendwo im Netz liegen, den habe ich nie richtig erkennen können, aber das ist der einzige Ansatzpunkt, solche Gemeinschaften geldwert zu machen. Diese zentrale Verwaltung ist gleichzeitig auch eine Zentrierung von Macht und - vollkommen unnötig.

Was fehlt, ist ein Stück Software, eine Technologie, neue Schnittstellen bestehender Programme: den sozialen Aspekt ergänzend.

Es gibt sowas. Die Liederklauerei zum Beispiel, die funktioniert, ohne dass es ein Portal gibt, ganz ohne eine community, die gefressen werden könnte. Auch iTunes fällt mir ein, da kann man seine Bibliothek freigeben und Nutzer im gleichen Netz können die eigene Musik hören, ungeklaut und: einfach, weil ich es erlaube. Die Musik wird dann gestreamt.

Genau das müsste in großem Stile und mit einer neuen Basistechnologie geschehen: Daten und Aktionen an eigenem Material bleiben lokal - Weblogs, Bilder, Musik, Twitterzeugs, was auch immer da wächst - und dem kommunikativen Aspekt wird über eine zu schaffende Technik Rechnung getragen - Kommentare, Aktualisierungen, Verbindungen, Kontakte, etc.pp.

Das würde der Börse nicht gefallen.
Aber mir.

   

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Stand: 2008.07.22, 00:56
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